Spezialist für virtuelle Welten: Urs Langenegger mit einer VR-Brille in der Hand.

Bandara

Digitale Weltenbauer

Augmented Reality, kurz: AR – ein Begriff in aller Munde. Spätestens seit Apple sein neustes iPhone mit einem AR-Programm lanciert hat. Virtual Reality? VR? Hat man auch schon gehört.

Was die neuen digitalen Gadgets aber alles können, wissen die wenigsten. Sind das Filme? Bilder? Oder was sonst? Urs Langenegger von der Agentur für Virtual Reality und Augmented Reality namens Bandara sagt: «Wir sind digitale Weltenbauer».

 

Digitale Weltenbauer? In dem auf Retro gestylten Grossraumbüro, unter dem Dach im trendigen Zürcher Kreis 4, sieht es so gar nicht nach hektischer Globalität aus. Ruhe herrscht, das Geklapper von Tastaturen mischt sich mit dem leisen Gemurmel der Mitarbeiter einiger hier angesiedelter Firmen aus dem kreativen Business. Wo versteckt sich nur die Ausrüstung von Bandara, den Weltenbauern? Langenegger zeigt auf leistungsfähige Computer und auf Infrarotboxen. Dann zaubert er VR-Brillen aus einem Schrank.

 

«Setzen Sie die Brille auf!», fordert er. Und tatsächlich, dank dem voluminösen Gestell auf der Nase eröffnet sich plötzlich eine andere visuelle Bilderwelt, eine Industriehalle. Plastisch, zum Greifen nah fühlt sich das an. Eine Kloschüssel liegt am Boden. Mit dem Controller, einem Instrument das man in der Hand hält, lässt sich diese greifen, hochheben und werfen! 25 Meter! 32 Meter! Eine Werbeaktion, mit der Schweizer Sanitär-Unternehmen Lehrlinge für den Beruf umwerben. Das entführt tatsächlich in fremde Welten. Macht sogar ein bisschen süchtig. Für die, die zuschauen ist das lustig, denn die virtuelle Welt findet ja im Gesichtskreis der 3D-Brille statt und die Bewegungen dazu wirken auf Aussenstehende wie Schattenboxen.

 

Digitale Weltenbauer: Video-Portrait

«Das ist Virtual Reality», sagt Langenegger, «Computerprogramme simulieren eine reale Welt, in die der Betrachter eintauchen und in alle Himmelsrichtungen interagieren kann». So ist es denkbar, dass man zukünftig beim Online-Shopping einen virtuellen Supermarkt betritt, durch die Regale schlendert und die Ware, die man kaufen möchte, in einen virtuellen Einkaufswagen legt. Die Virtual Reality Technologie kommt aus der Welt der Computerspiele oder den Trainingsprogrammen wie sie von Militär, Medizin oder Piloten benutzt werden. Neu ist, dass sie dank VR-Brillen jedermann zugänglich wird. Ein riesiges Feld an Einsatzmöglichkeiten eröffnet sich. Beispielsweise in der Werbung, bei Schulungen, in der Pädagogik.

 

Augmented Reality geht noch einen Schritt weiter. Hier wird die reale Welt mit virtuellen Informationen angereichert. Das geht nicht ohne Hilfsmittel, beispielsweise Apps, eine spezielle Brille oder Displays. Träger einer solchen Spezialbrille «könnten in Zukunft an einem Restaurant vorbeigehen und auf dem integrierten Display der Brille erscheint das Tagesmenü», erklärt Langenegger. Nächstes Beispiel: Er hält ein Tablet über ein Blatt Papier mit der Zeichnung eines Hochhauses und plötzlich wächst das Hochhaus als 3D-Modell aus dem Papier, lässt sich drehen und von allen Seiten betrachten. Der Unterschied zwischen AR und VR? «Mit Virtual Reality bringt man die Leute überall hin – mit Augmented Reality bringt man alle möglichen Informationen in die Realität der Leute».

 

Auch 360 Grad Videos bietet das Unternehmen an. Gerade erst konnten sie für die Stadt Zürich ein Projekt realisieren, in dem es um die Sicherheit beim Velofahren geht. Am Computer oder mit einer VR-Brille kann man sich aufs virtuelle Velo schwingen und Strassen abfahren. Dabei weist der Sprecher auf gefährliche Situationen hin. Für Langenegger «ein klassisches Schulungsvideo, welches durch den 360-Grad-Effekt zum Erlebnis wird – und in dem man den Schulterblick beispielsweise wirklich machen muss. Der Betrachter wird mitten in die Situation versetzt und hat so ein intensives Erlebnis mit hohem Lerneffekt.»

 

Eintauchen in die virtuelle Welt: Das funktioniert mit Hilfe einer VR-Brille und eines Controllers.

Datenverarbeitung: Die virtuellen Welten entstehen am Bildschirm.

Die drei Gründer des jungen Unternehmens, alle Mitte bis Ende dreissig, kannten sich schon lange, unternehmerisch zusammengefunden haben sie aber erst 2015. Auch das ist typisch für ein neues Business, das auf Computerprogrammen basiert und nur durch optische Hilfsmittel funktionieren kann, – es existiert noch kein Berufsbild, keine Ausbildung für das, was das Trio anbietet. Urs Langenegger hat Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und als Multimediaproducer gearbeitet. Jonas Baer ist Wirtschaftsinformatiker und bringt Erfahrungen im Finance- und Startup-Bereich mit. Daniel Gremli kommt aus der Werbung und der Videoproduktion. Bei einem Arbeitsmeeting in Bali gründeten sie Bandara, was soviel heisst wie Flughafen auf indonesisch. Und trafen, wie sie meinen, auf Anhieb den Nerv der Zeit.

 

Wichtig sei es vor allem, die Nase ständig im Wind zu haben. Das digitale Business ist hochgradig dynamisch und erfordert vom Team die ständige Suche nach neuer Hardware und Software und nach Updates der bestehenden Programme. Beschleunigt wird der Prozess auch durch die aktuellen Funktions-Lancierungen von AR und VR der vier grossen Konzerne Apple, Microsoft, Google und Facebook. Während Apple sein neues iPhone X mit dem Gadget AR bewarb, hat Microsoft mit dem aktuellen Update von Windows 10 eine «Mixed Reality» Plattform lanciert. Und Facebook kündigte im Oktober an, eine Milliarde Menschen in die virtuelle Welt bringen zu wollen. Bandara profitiert davon, dass AR und VR immer mehr wahrgenommen werden. In der kurzen Zeit ihres Bestehens konnten sie bereits knapp 60 Projekte realisieren. Das sei erst der Anfang, meint der Gründer, «die ganz grosse AR- und VR-Welle rollt erst an». 

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